8,50 Euro sollen es jetzt bringen

Es ist immer wieder verwunderlich, wie wenig gerade Institutionen wie der Deutsche Gewerkschaftsbund begriffen haben.

Neuesten Verlautbarungen zufolge sieht der DGB den generellen Mindestlohn von 8,50 Euro als praktikabel, um Arbeitnehmern ein vernünftiges Auskommen zu sichern und Dumpinglöhne zu umgehen.

Irgendwie scheinen da einige Herren beim DGB in der Schule nicht richtig aufgepasst zu haben, denn man scheitert dort selbst an der einfachsten Milchmädchenrechnung.

Um es mal ein wenig zu verdeutlichen, wie das Verständnis des DGB bei vernünftigem Auskommen zu verstehen ist, habe ich einmal folgende Beispielrechnungen durchgeführt :

Familienvater, verheiratet, Steuerklasse 3, 2 Kinder und somit 2 Kinderfreibeträge, gesetzlich Versichert, Bundesland Baden Württemberg #####
bei einer Wochenarbeitszeitzeit von 40 Stunden mit einem Bruttostundenlohn von 8,50 Euro ergibt dies nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben ein Gesamt-Netto von sagenhaften 1084,96 Euro

Dem gegenüber steht nun ein vergleichbarer Familienvater, verheiratet, 2 Kinder, 2 Kinderfreibeträge, 368 Euro Kindergeld als Einkommen angerechnet, 350 Euro Miete inklusive aller Nebenkosten, kein Anspruch mehr auf Arbeitslosengeld und dafür Hartz IV ###
ergibt einen Bezug von 1085,90 Euro Hartz IV

Gehe ich jetzt mal von mir selber aus, der ich Arbeit habe und würde ich 8,50 Euro Stundenlohn bekommen so müsste ich derzeit noch folgendes abziehen :

1084,96 Euro Nettoverdienst
– 180,00 Euro Spritkosten
-100,00 Euro Mehraufwendung für Verpflegung
-100,00 Euro Kosten/Monat Kindergarten
———————————————————–
Netto noch übrig : 704,96 Euro (Abnutzung vom Auto noch nicht mit eingerechnet)
+ 368,00 Euro Kindergeld

Diese 1072,96 Euro bleiben mir dann also übrig (das Kindergeld als Einkommen mal eingerechnet), um einen Monat lang eine 4köpfige Familie zu Verköstigen, die Kosten für Schulmaterialien zu bezahlen, Rücklagen zu bilden (ein Auto oder eine Waschmaschine kann ja auch mal kaputt gehen) und für die Altersvorsorge und eventuelle Ausbildungskosten wie Studium der Kinder etc. zu sorgen.

Daß der DGB hierbei nun schon beim kleinen Einmaleins scheitert wird deutlich denke ich.

Dem ganzen gegenüber steht nun aber auch noch die Panikmache, daß eine solche Forderung nach einem Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde rund 1,22 Millionen Arbeitsplätze gefährdet. Nunja, auf der einen Seite könnte man nun sagen, daß das doch großartig wäre, denn so würde man die halsabschneiderischen Arbeitgeber mit Anlauf in den Hintern treten, die aus den Rund 740000 regulären Arbeitsstellen 400 Euro Jobs gemacht haben. Es liegt auf der Hand, daß dies Stellen kosten würde.

Die weitaus größere Gefahr liegt aber darin, daß es vor allem wesentlich mehr Existenzen bedrohen würde, die jetzt noch relativ normal verdienen, oberhalb der 8,50 Euro Grenze denn Firmen sind recht erfinderisch, wenn es darum geht, den Mitarbeitern Änderungskündigungen aufs Auge zu drücken, um bei den Löhnen zu sparen.

Abgesehen davon, und da will ich mal ins Horn eines Herrn Westerwelle blasen und seine Worte gebrauchen : Der wo arbeitet, soll auch mehr bekommen. Wo also soll bei den obigen Beispielen der Anreiz sein, weiterhin jeden Tag zur Arbeit zu gehen wenn man doch ein paar Euros Hartz IV mehr bekommt, wenn man nicht arbeitet.

Klar, für mich hat es irgendwo mit Stolz zu tun und mit vorgelebten Werten den Kindern gegenüber, daß ich auch für so einen Hungerlohn arbeiten gehe anstatt Hartz IV zu beziehen, allerdings rechnerisch geht es niemals auf zumal bei den Hartz IV Empfängern auch noch die Kosten für den Kindergarten empfallen, da hier die Kommunen dann bezahlen.

Egal wie man es dreht und wendet, sowohl diese hirnrissigen Forderungen nach so geringen Mindestlöhnen als auch die Mindestlöhne selber werden den Erfolg bringen, den Arbeitnehmern ein vernünftiges Auskommen ohne staatliche Hilfe zu sichern. Gerade auch die Hartz IV Debatte ist mittlerweile so realitätsfern geführt von allen Seiten, daß man hier auch nichts Revolutionäres erwarten braucht.

In meinen Augen ist das Einzige was wirklich hilft, die Arbeitsgeber pauschal, die endlich erkennen müssen, daß sämtliche Mitarbeiter das Firmenkapital sind mit der höchsten Priorität, welches man die letzten Jahre mitunter sträflich vernachlässigt und mit Füßen getreten hat. Hier muss sich etwas ändern, damit JEDER Arbeitnehmer sagen kann, meine Arbeit zahlt sich für mich aus.

Wie steht ihr zu dieser Thematik ?

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4 Kommentare

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  1. Sascha

    Und das nächste Ding, dass wunderbar zu deinem anderen Artikel passt – Griechenland vs Deutschland – Warum kann man das Ganze Geld, welches Deutschland an andere Haushaltsdeppen verschenkt nicht einfach dafür nutzen um konstruktiv die eigenen Leute zu unterstützen? Und wo wir schon mal dabei sind – Ich habe gerade mal in das schwarze Buch der Steuerverschwendung geschaut und spontan Lust bekommen, ganz nach französischer Art in Berlin ein paar Luxuslimousinen vor dem Bundeshauptgebäude abzufackeln.

    1. Meinst Du das kleine Buch vom Bund der Steuerzahler ? Das Buch ist DER Hammer und es wundert mich eigentlich täglich mehr, daß in Deutschland nicht schon lange Bürgerkrieg herrscht.

  2. Die Webseite ist ganz nach meinem Geschmack und der Post ist für mich persönlich sehr nützlich. Ich hatte nur das kleine Problem, deinen Feed zu abonnieren. Ich weiß nicht warum, aber das klappte erst beim 3. mal. Ist bei anderen auch so? Falls ja, müsstest Du mal die Einstellungen checken. Alles andere ist wunderbar, Infos, schnelle Ladezeit usw. Kann man sich durchaus was abschauen

  3. Es hat sich schon in den letzten 18 Monaten spürbar herausgestellt, dass Westerwelle nicht das Format hat, ein Land wie die BRD als Außenamtschef zu vertreten. Allerdings auch innenpolitisch hat er sich durch seine Hartz4-Aussagen disqualifiziert. Als Bürger dieses Landes neigt man bereits zum Fremdschämen für unseren Außenminister. Die Frage ist einzig, wann erlöst uns Westerwelle und tritt zurück?

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