Sind Werte nicht mehr wichtig ?

Wenn man sich das aktuelle Zeitgeschehen einmal vor Augen führt, stellt sich mir die Frage, wo eigentlich die Werte geblieben sind, die uns einmal vermittelt worden sind. Ganz nach dem Motto, Geld regiert die Welt, scheinen Dinge wie Toleranz, Offenheit, Hilfsbereitschaft und Respekt immer mehr in den Hintergrund und in Vergessenheit zu geraten.

Da werden Ausländer ganz nach NS-Zeit-Manier verhetzt und verfolgt, als hätte uns die Geschichte nicht eines Besseren belehren müssen, da beglücken Politiker die Ihresgleichen und benachteiligen die breite Masse, da benachteiligen Lehrer lernschwache Schüler oder Schüler, die durch das förderungswürdige Raster fallen ganz nach dem Motto, bei einem Kevin und einer Chantal ist der Zug eh schon abgefahren, die sind bildungsresistent usw. usw. usw.

Gerade wenn Dinge schief laufen, sehen sehr viele Menschen einfach weg. Da spielt es dann keine Rolle, ob da eine Frau oder ein Kind belästigt wird, ein Ausländer verprügelt wird, Kinder aus dem Zug geschmissen werden, weil mal die Fahrkarte nicht dabei war. Hauptsache wegsehen und sich nicht einmischen, es könnte ja Nachteile für einen selber haben, man könnte ja selber eine dabei erwischen.

Ich will mal eine kleine Geschichte erzählen, die sich vor ein paar Jahren bei einem Neurologen in der Praxis während meiner Bundeswehrzeit zugetragen hatte.

Ich musste zu einer neurologischen Untersuchung, weil ich Probleme mit der Schulter hatte und meinen Arm nicht richtig bewegen konnte. Da saß ich nun also im Wartezimmer mit vielen anderen Patienten zusammen. Wie bei vielen Neurologen auch, gab es in dieser Praxis ebenfalls die Psychotherapie und auch dafür waren Patienten anwesend.

Während ich also wartete, unterhielten sich 2 Frauen miteinander auf Spanisch, da es offensichtlich deren Muttersprache war. Einem der Patienten passte dies nicht wirklich, da er offensichtlich eine rechtsradikale Einstellung hatte.

Erst fing der Mann an, die beiden Frauen zu beleidigen und meine Kommentare zu seinem Verhalten schienen ihn nicht zu beeindrucken. Irgendwann stand der Mann auf, packte die eine Frau an den Haaren und schlug sie immer wieder mit dem Kopf gegen die Wand mit den Worten “Wenn Du Kanackenvotze nicht gleich das Maul hältst, mach ich dich alle”.

Gesagt getan. Ein kurzer Blick in die Patientenrunde sagte mehr als tausend Worte. Keiner reagierte oder tat etwas, alle schauten nur ängstlich weg. Also war es an mir denn so etwas durfte nicht sein.

Mir war von vornherein klar, daß mir dies ebenfalls Schmerzen zufügen würde, denn es war offensichtlich, daß der Mann nicht bei Trost sein konnte und mittlerweile wie ein Berserker wütete. Ich drängte ihn in eine Ecke des Wartezimmers und die anderen Patienten verließen den Raum. Somit war ich dann mit dem Mann allein und das Wartezimmer wurde auch noch von aussen verschlossen. Worte halfen bei dem Typen schon lange nicht mehr also musste ich mich darauf besinnen, was mich meine militärische Nahkampfausbildung gelehrt hatte.

Alles endete damit, daß die Polizei einmarschierte und ich mich zunächst in Handschellen befand, da man der Meinung war, ich wäre der Übeltäter. Dies konnte aber schnell geklärt werden.

Nach einer Anzeige meinerseits aufgrund von bei mir vorhandenen Prellungen und einer kaputten Brille stellte ein Gutachter fest, daß der Mann wegen Unzurechnungsfähigkeit nicht belangt werden kann.

Diese Geschichte, die mir 1998 in einer Tuttlinger Neurologen-Praxis passiert ist, zeigt deutlich, daß es mit der viel gerühmten Hilfsbereitschaft in der deutschen Bevölkerung nicht weit her sein kann und so trifft dies auch auf andere Werte wie Toleranz, Ehrlichkeit und Respekt zu. Wo sind wir denn gelandet, wenn es heute normal ist, daß Jugendliche Rentner verprügeln, einfach so, oder du sagst etwas zu einem frechen Kind oder Jugendlichen und bekommst als Antwort “Halts Maul Du Wichser oder ich hau Dir in die Fresse”.

Ich muß sagen, wir haben es mit unserer Weiterentwicklung echt zu etwas gebracht.

Wie steht ihr zu dieser Thematik ? Was ist eure Meinung ?

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9 Kommentare

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  1. Ich lebe ja auch seit 1999 als “Ausländer” in Deutschland und obwohl ich fliessend Deutsch rede und mich voll angepasst habe an die Mentalität hier, fällt es auch mir nach gut 11 Jahren noch Heute oft schwer, wenn ich sehe wie im Dorf trotzdem geredet wird hinter einem seinen Rücken. “Der hat eine Ausländerin geheiratet” , “das ist sie, die ist keine Deutsche”, ich komme mir manchmal vor wie eine Aussätzige und dabei bin ich keine eingekaufte Frau aus einem Katalog, wie die sich wohl erst fühlen müssen? Ich komme aus Luxemburg, das grenzt an Deutschland und lernte von Kindauf die deutsche Sprache in der Schule und verliebte mich in einen deutschen Mann ;-) aber trotzdem bleibt man für Viele auch nach gut 11 Jahren immer eine “Fremde” egal was man macht oder nicht macht… Daß es viele Ausländer aus anderen Ländern hier noch schwerer haben als ich, das weis ich…mir tut das Ganze schon oft weh, wie mögen die sich fühlen?
    “Ausländerfeindlichkeit” fängt vor der eigenen Haustür an, die Kinder lernen von ihren Eltern! Sind die Eltern abwertend den Ausländer gegenüber, werden es viele Kinder später auch sein…
    “Offenheit”, auch das ist ein gutes Stück Erziehungssache, auch das lernen Kids von den Eltern zum grössten Teil.
    “Hilfbereitschaft” lernt man ebenso im Kindesalter Zuhause oder eben nicht…das ist jedoch auch eine Mentalitätsfrage.
    “Respekt” lernt man auch von den Eltern…
    Wer nun ein Elternhaus hat, wo er all diese guten Eigenschaften nicht lernt, wo er das nicht kennenlernt, so Jemand kann solche Werte nicht weitergeben, dafür ist er noch kein schlechter Mensch, man kann ja auch lernen…

    1. Bülent Ceylan hat sich über die Problematik der Integration schon oft ausgelassen und in der Realität existiert diese oft nicht mal auf dem Papier. Das Selbe gilt für die Sache mit Ossi und Wessi. Die Mauer in vielen Köpfen ist noch lange nicht eingerissen.

  2. Verbreitet, gerade im Denken der Gesellschaft ist, dass Menschen hilfsbereit sind. Aber liegt einer am Boden, so werden Menschenmassen vorbeigehen, vorbei laufen, nicht ohne es zu sehen, aber aus angst etwas zu machen. Es heisst, dass man auf jemanden Fremden zugehen muss und auch Partei ergreifen muss. Aus der Lethargie in die Aktion.
    Was Du gemacht hast, finde ich Vorbildhaft. Wenige würden das tun. Ich? Mitlerweile könnte ich meinen Mund sicher nicht halten und wäre eingeschritten. Aber das Problem bist nicht du, vielleicht auch nicht ich. Sehr wahrscheinlich noch nicht mal die anderen, die teilnahmlos in der Ecke sitzen, oder flüchten. In meinen Augen ist es die Zeit und die Entwicklung die unsere Gesellschaft genommen hat. Die Bequemlichkeit und der Fortschritt bestimmen alles und machen aus dem Menschen das, was er nicht sein sollte. ich habe meine eigene Meinung dazu. Wenn du willst, lies Sie Dir durch. Zwei Artikel würde ich Dir da empfehlen:
    1: http://www.cyberknowledge.de/die-welt-ist-eine-wuste-der-einsamkeit/
    2: http://www.cyberknowledge.de/der-einzige-weg-zur-freiheit/
    Sie mögen krass formuliert sein, aber direkter und ehrlicher kann ich es nicht sagen. Wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum ich oft schlecht auffalle.
    By the way.
    Wenn willst, hol die Links wieder raus. Wollt Dir nur zeigen wo Du vlcht mal gucken kannst?
    Grüsse

    1. Ich habe deine beiden Links besucht und ich sehe keinen Grund, diese zu entfernen denn du triffst damit den Nagel auf den Kopf.

      Das ist das Problem unserer Gesellschaft, es wird Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit gefordert, kommst du diesen Forderungen nach, erhälst du lediglich Hohn, Spott und Verachtung denn die Wahrheit ist ja doch nicht erwünscht, schon gar nicht im Berufsleben. Das kostet im Zweifelsfall sogar den Job aber ich nehme darauf generell keine Rücksicht denn es ist bisher immer weitergegangen und tut es auch in der Zukunft.

      Die Moral der Deutschen ist es, zu Leben um zu Arbeiten. Besser gefällt mir hierbei unter anderem die Mentalität vieler Franzosen, Arbeiten um zu Leben.

      Es ist wohl die logische Schlußfolgerung unserer Wegwerfgesellschaft, daß sich Dinge so entwickeln, wie sie sich entwickeln aber muß ich deshalb so leben und mich dem Allgemeintrott unterwerfen. Ich sage entschieden nein denn ich will mir auch morgen noch im Spiegel ins Gesicht schauen ohne einen Fremden vor mir zu haben.

      Eines würde mich mal interessieren, woher kommt der Name Nismion ?

  3. Kann ich Dir nicht sagen. ;-)
    Ich würde sagen ein Spontangedanke, aber das trifft es nicht.
    Ich versuche es Dir zu erklären:
    Wenn Du Dir über etwas Gedanken machts, vielleicht tagelang und Du überlegst und findest einfach nicht die Antwort die Lösung und schiebst es zur Seite. Dann auf einmal weisst Du die Antwort eines Tages und sie erklärt vielleicht nicht nur das Anfangsproblem, sondern einfach alles. So in der Art ist es gelaufen.
    Es viel mir ein und ich wusste es passt. Seitdem benutze ich es.
    Man kann sagen, es wurde mir gegeben. ;-)
    Aber ich will nicht zu hoch greifen. ich habe mal überlegt einen normalen Namen zu fahren, aber irgendwie wäre das nicht Nismion. Meine Online Identität hat sich um den Namen gebildet, sich selber definiert.
    Kennst du folgendes Zitat: “Als Symbol kann ich unbestechlich sein. Unangreifbar.” (Batman begins)
    So in der Art war meine Intention am Anfang. Als Bruno, mein Real Name, ist es nicht das Selbe. Und ich würde es irgendwie als falsch ansehen, wenn mich jemand so anspricht. ;-)
    By the way:
    Am Anfang war Nismion nur als Synonym für mein erstes Buch gedacht. Deswegen das Bloggen. Ich wollte den Namen, der damals nur eine Ansammlung von Buchstaben war, unter die Menschen bringen. Damit er Wiedererkennungswert bekommt. Bevor Du fragst, das buch gibt es noch nicht. Ist noch im Rohmaterial. Deswegen das Bloggen. Wenn ich das als finanziellen Hintergrund bekomme, habe ich alle Zeit der Welt, die ich brauche, um mich dem zu widmen.
    “Die Dämonen die ich schuf.” >> Nismion

  4. Das Problem von Werten ist, dass sie normalerweise von Generation zu Generation weitergegeben werden sollten.
    Sobald da irgendwann eine Lücke entsteht hat das für die Zukunft gravierende Folgen. Denn welche werte sollen Menschen, die diese nie gelernt haben, ihren Kindern nahebringen?
    Trotzdem sehe ich das ganze nicht so düster. Ich habe in meinem Umfeld schon eine Menge positiven Umgang mit Ausländern und auch mit anderen wichtigen Werten gesehen. Das macht mir Mut ;-)
    Gruß
    Fulano

  5. Markus

    Gerade das Thema Ausländer ist immer interessant. Wenn man sich da mit anderen unterhält wird man immer viele verschiedene Meinungen dazu hören. Da zu vermitteln ist wirklich nicht leicht. Es gibt auf beiden Seiten solche und solche sag ich immer. Es gibt ja teilweise auch Ausländer die sich für ihre eigenen Landsleute schämen, weil diese sich hier dermasen daneben benehmen. Eine gewisse Integration gehört eben dazu, das wird von uns im Ausland auch verlangt. Leider verweigern sich dieser Integration viele und genau dieses Bild wird von vielen dann automatisch auf alle Ausländer projiziert, dies ist aber genauso falsch, wie der Gedanke Deutsche würden sich im Ausland immer nur gut benehmen. Auch da gibt es genug negative Beispiele für die wir Deutschen uns schämen können.

    Hilfbereitschaft. Irgendwie ist das etwas was sich wohl wie ein roter Faden durch unsere Gesellschaft zieht. Nennt man Deutschland nicht aus dem Grund “Servicewüste”? Viele helfen in der heutigen Zeit (war es früher besser?) doch nur wenn sie selber einen Vorteil daraus schlagen können. Zu Deiner Situation beim Neurologen kann ich auch nur sagen “Hut ab” das ist selten heutzutage und ich befürchte es wird noch weniger, nach den letzten Vorkomnissen. Das Leute selber einfach Angst haben zu helfen ist verständlich, aber das diese dann sogar noch weglaufen wenn schon einer einschreitet ist beängstigend. Würdest Du nochmal so reagieren?

    1. Klar sorgen die jüngsten Vorkommnisse dafür, daß Leute eher überlegen, anderen zu helfen. Gehe ich dabei von mir selber aus, so würde ich es jederzeit wieder tun. Gedanken mache mir hinterher dabei schon aber eben erst hinterher. Vermutlich schaltet bei mir das Hirn erst mal aus, wenn ich Situationen sehe, die bedrohlich sind für andere Menschen.

  6. Markus

    Finde Deine Einstellung gut. Würde selber wohl auch in den meisten Fällen versuchen einzuschreiten, ob jetzt nur verbal, durch Hilfe holen oder anders. So jedenfalls denk ich, aber ich beurteile ungern Situationen die ich noch nie erlebt hab.

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