Wann geht Deutschland den Schritt zur Berufsarmee ?

Mal abgesehen davon, daß ich nach eigener Erfahrung beim Bund nur jedem davon abraten kann, dorthin zu gehen um zu “dienen” bringt mich eine gerade eben gelesene Meldung echt zum lachen.

Geplant ist, den Wehrdienst nun von 9 Monaten auf 6 Monate zu verkürzen. Was für eine Ausbildung soll in dieser kurzen Zeit noch möglich sein ? Aus meiner Zeit beim Bund in der Laufbahn der Unteroffiziere kann ich sagen, daß selbst 9 Monate nicht ausreichend waren, Soldaten auch nur annähernd gut für die “Landesverteidigung” auszubilden geschweige denn für diverse Auslandseinsätze.

Verkürzt man nun die Zeit auf 6 Monate und gewinnt dadurch rund 10000 zusätzliche Rekruten, die ihren Wehrdienst ableisten wollen, hat man letzten Endes 10000 Menschen mehr, die man als Kanonenfutter verheizen kann weil von gut ausgebildeten Soldaten kann dann keine Rede mehr sein.

Lieber Herr Minister zu Guttenberg, sollten es ihre Gegner nicht schaffen, genügend an ihrem Stuhl zu sägen, daß sie aus dem Amt verschwinden, möchte ich nicht in ihrer Haut stecken, wenn ein Ernstfall eintreten sollte und sie dann noch im Amt sind. Sollten sie so einem Schwachsinn zustimmen, tragen sie die Verantwortung für die dann gefallenen Soldaten die so dumm waren, den Wehrdienst nicht zu verweigern. Da sie selber bei den Gebirgsjägern in Mittenwald gedient haben und wissen, was militärische Ausbildung bedeutet, kann ich diese Denkweise nicht nachvollziehen.

Abgesehen davon, warum geht Deutschland nicht endlich den Weg, weg vom Wehrdienst, hin zu einer Berufsarmee ? In anderen Ländern funktioniert dies tadellos, warum soll das hier nicht auf gehen.

Gemessen an den neuen Einsatzgrundlagen und gemessen an den Einsätzen der Bundeswehr an sich ist in meinen Augen der Wehrdienst einfach nicht mehr zeitgemäß und auch gerade im Hinblick auf Kampfeinsätze einfach verantwortungslos. Afghanistan zeigt deutlich, daß die Bundeswehr schon lange den Wandel von der Verteidigungsarmee zur Kampftruppe vollzogen hat, ob nun gut ausgebildet und ausgerüstet, sei mal dahingestellt.

Denke ich an unsere Ausrüstung zurück, die wir an Gerät zur Verfügung hatten bei der Artillerie, mit FH70 und 7Tonner, mir wäre damals Angst und Bange gewesen, wenn wir hätten ausrücken müssen und ich hätte es keinem verdenken können, der dort Fahnenflucht begangen hätte.

Also ihr lieben zukünftigen Rekruten, ein paar Anmerkungen was euch beim Bund erwartet :

  • schlechtes Essen
  • wenig bis gar kein Schlaf
  • wenig Geld
  • Vorgesetzte, insbesondere junge Offiziere und ganz junge Unteroffiziere, die es lieben, euch anzuschreien und fertig zu machen, also nicht nur körperlich fertig machen sondern gerne auch seelisch und moralisch
  • solltet ihr im Stockbett unten schlafen und der über euch furzt die ganze Nacht, viel Spaß

Das sollte jetzt nur ein kleiner Vorgeschmack sein, auf das, was einem dort erwarten kann. Sicher gibt es auch seriöse Unteroffiziere und Offiziere, die ihre Untergebenen absolut menschlich behandeln aber zu meiner Zeit dort war das eher eine Minderheit und mir tut jeder einzelne Tag meiner 4 Jahre dort mehr als leid, jeder einzelne Tag war ein verlorener Tag. Ich war zwar nach meiner offiziellen Dienstzeit als Reservist vorgesehen habe allerdings an keiner einzigen Reserveübung teilnehmen müssen und wenn die mich hätten holen wollen, wäre ich eher in den Knast gewandert als auch nur einen weiteren Tag für das Geschwür Bundeswehr zu dienen.

Ich muss euch auch noch sagen, solltet ihr so verrückt sein, euch dort zu verpflichten und ihr findet nach dem Ende eurer Dienstzeit nicht gleich einen Job so könnt ihr euch den Weg zum Arbeitsamt sparen um dort Arbeitslosengeld zu beantragen. Ihr habt während eurer Dienstzeit jeglichen Anspruch verloren da die Dienstzeit nicht wie eine versicherungspflichtige Zeit gewertet wird. Erwartet auch nicht, daß euch das vorher jemand bei den Kreiswehrersatzämtern sagt. Viel Spaß also, wenn ihr dann hinterher ohne Kohle dasteht. Ach ja, privat versichern müsst ihr euch dann auch, denn für die gesetzliche Krankenkasse fehlt euch die Vorversicherungszeit von vor dem Bund, die ist ja dann auch flöten gegangen.

In diesem Sinne, frohes Schaffen.

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2 Kommentare

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  1. Ich bin für eine Berufsarmee – wenn wir denn überhaupt eine Armee brauchen (was ich generell bezweifle). Mit einer Berufsarmee gäbe es keinen Zwangsdienst mehr, auch nicht im zivilen Bereich. Dadurch müssten zwangsläufig ganz normale Arbeitsplätze dort geschaffen werden, wo jetzt billigst Zivildienstleistende eingesetzt werden können. In der Armee wäre dann Menschen, die sich mit dieser Art von Tätigkeit identifizieren und nicht mehr oder weniger dazu gezwungen wurden. Natürlich wäre die Tätigkeit “Soldat/in” dann ein ganz normales Arbeitsverhältnis im öffentlichen Dienst. So wie auch Polizist/in oder Grenzschutzbeamte/r. Ich weiß echt nicht, warum das nicht schon längst alles geändert wurde. Diese “Wehrbereitschaft” aller Männer ist doch altertümlicher Humbug! Könnte ich mich laufend drüber aufregen …

  2. Also für mich wäre es ein sinnvoller und längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung, weg von der Wehrpflicht hin zu einer Berufsarmee.

    Ob eine Armee generell noch Sinn macht ? Hmm, wenn ich z.B. an die Hochwassereinsätze der letzten Jahre denke, sage ich ja. Auch was die wenig bekannten jährlich wiederkehrenden Waldbrandeinsätze innerhalb Europas anbelangt, sage ich ja. Zur Landesverteidigung sage ich ebenfalls ja, falls irgendwann mal ein vom Weg abgekommener denkt, er müsste Deutschland angreifen. Für Kampfeinsätze wie Afghanistan etc. sage ich ganz klar NEIN. Was haben wir da zu suchen ? Dafür wurde die Bundeswehr einst nicht gegründet und für so etwas hätte ich mich nie im Leben verpflichtet. Zu meiner Zeit konnte man sich noch freiwillig zu Auslandseinsätzen melden und ich habe damals mit Jugoslawien schon abgelehnt. Aus meiner Einheit damals waren viele dort, aber nicht aus Überzeugung für die Sache sondern weil es viel Geld für den Einsatz gab und das sind für mich in so einer Sache die falschen Beweggründe. So was sind in meinen Augen Söldner aber keine Soldaten aus Überzeugung an der Sache.

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