Aquarium einrichten und einfahren

Wie im Leben selber, so gilt dies auch für die Aquaristik. Gut Ding braucht Weile. Ganz besonders zählt dieses Prinzip, wenn man ein neues Aquarium einrichtet. Grundsätzlich ist es so, daß es bei Neueinrichtungen nicht “Die” Lösung schlechthin gibt sondern jeder Aquarianer irgendwo seine eigene Methode entwickelt. Um aber Anfängern eine gewisse Hilfestellung zu geben, um fatale Fehler beim Start zu vermeiden, dazu dient dieser Artikel.

Wenn man ein neues Becken einrichtet, braucht man vor allem eines, Zeit. Genau hier liegt der Knackpunkt denn viele Anfänger nehmen sich die Zeit nicht. Anfänger machen oft den Fehler, daß sie ihre Aquarien einrichten und gleich Tiere einziehen lassen und sich dann wundern, warum nach kurzer Zeit einige oder gar alle Tiere sterben und sich in den meisten Fällen auch übermässiges Algenwachstum einstellt. Selbst viele erfahrene Aquarianer sind an der Hopplahopp-Methode schon gescheitert. Leider ist es so, daß der aquaristische Fachhandel oft mit dazu beiträgt, daß speziell Anfänger Fehler machen denn viele sogenannte Fachhändler verkaufen am liebsten gleich ein ganzes Paket aus Becken, Einrichtung und Fischen zusammen ohne an die Fische zu denken. Ein seriöser Fachhändler wird nie gleich Fische mitverkaufen. Nun aber zum Einfahren des Aquariums selber.

Die Faustformel, daß man einem Becken 6 Wochen Zeit geben soll, bis es eingelaufen ist, trifft so im Groben schon einmal zu. Nun sollte man sich allerdings an der Anzahl der Wochen nicht festbeissen denn es kann schneller aber eben auch viel langsamer gehen, bis die Wasserwerte im Aquarium stabil genug für den Erstbesatz sind. Viele Aquarianer impfen ihre neuen Becken mit Mulm oder auch mit gebrauchten Filtermaterial an, um die Zeit bis zum Einsetzen der ersten Tiere zu verkürzen da so bereits einiges an biologisch nützlichen Bakterien ins Aquarium gelangt, ich persönlich halte allerdings nichts von dieser Methode denn ich will keine Bakterienstämme aus einem anderen Becken in ein neues Aquarium einbringen. Ich lasse die Dinge immer von allein ihren Lauf nehmen. Dabei gehe ich folgendermaßen vor, wenn ich ein neues Becken einrichte :

  1. Das Becken kommt zunächst an einen Platz ohne direkte Sonneneinstrahlung da so schon einmal ein überhitzen durch Sonne ausgeschlossen ist.
  2. Nun bringe ich den Bodengrund in das Becken ein. Hierbei verwende ich nach zahlreichen Versuchen mit verschiedenen Bodengründen nur noch reinen Quarzsand, weder irgendeinen Kies noch irgendein Soil oder sonstwas sondern einfach stinknormalen Quarzsand. Die Schichthöhe beim Quarzsand beträgt in der Regel nie weniger als 5cm, eher mehr. Auswaschen tue ich den Sand nicht
  3. Jetzt geht es ans einfüllen des Wassers. Dazu lege ich eine Plastiktüte auf den Sand, das verhindert, daß der Sand unnötig aufgewirbelt wird und dadurch das Wasser unnötig trüb wird. Eingefüllt wird zunächst einmal zu 2/3 des Beckens.
  4. Als nächstes sind die Pflanzen, Wurzeln und Steine und die Technik  an der Reihe. Diese kommen nun ins Becken. Wenn das Bild sprich die Anordnung der Pflanzen etc. passt, kann es weitergehen.
  5. Das restliche Wasser wird nun aufgefüllt. Hierbei wird natürlich nicht bis an den Rand aufgefüllt sondern es bleibt bis zur Beckenkante wenigstens 1cm Platz.
  6. Nun wird der Filter und der Heizer eingeschalten. Ebenso müssen noch Wasseraufbereiter und Pflanzendünger ins Wasser. An Wasseraufbereiter verwende ich seit Jahren ausschließlich Easy Life flüssiges Filtermedium und beim Pflanzendünger ausschließlich Ferrdrakon von DRAK, was ein flüssiger Volleisendünger ist. Der Pflanzendünger muss allerdings noch warten bis in die 2. Woche, also wird erst in Woche 2 ins Becken eingebracht.

Das waren schon einmal die Grundarbeiten, mit denen alles beginnt. Die “heiße” Zeit beginnt danach. Das sich bei den biologisch nützlichen Bakterien, die im Aquarium zuständig sind für den Schadstoffabbau, etwas tun kann, muß man den Bakterien Nahrung anbieten. Dies gelingt, indem man das Aquarium anfüttert auch wenn noch keine Tiere darin sind. Keine Tiere heisst keine Fische oder Garnelen allerdings Schnecken haben eine Sonderstellung. Zu Schnecken gibt es eine Erklärung weiter unten im Artikel. Da das Futter ja nicht komplett von Schnecken gefressen wird fängt es an zu vergammeln und daraus bekommen die Bakterien ihre Nahrung und es bildet sich eine gesunde Population an Nutzbakterienstämmen, sowohl im Filter auf den Filtermedien als auch im Bodengrund. Dabei füttere ich aber nicht einmalig an sondern immer mal wieder von Zeit zu Zeit.

In dieser Zeit ist es wichtig, bestimmte Wasserwerte immer wieder zu prüfen um zu sehen, wann der Nitritpeak einsetzt. Unter Nitritpeak versteht man das schnelle und starke ansteigen des Nitritwertes im Aquarienwasser. Grundsätzlich funktioniert der Abbau durch Nutzbakterien folgendermaßen :

  • Ammonium/Ammoniak bildet sich im Wasser
  • Ammonium/Ammoniak wird umgewandelt zu Nitrit
  • Nitrit wird umgewandelt in das Endprodukt Nitrat

Gundsätzlich dient Nitrat den Pflanzen als Nährstoff allerdings nur in Maßen, da Pflanzen Nitrat nicht uneingeschränkt aufnehmen können und erhöhte Nitratwerte über 25mg/l führen oft zu vermehrtem Algenwachstum.

Während Ammonium an sich ungiftig ist aber Ammoniak stark toxisch ist, sollte man diesem Wert genauso Bedeutung beimessen wie Nitrit auch. Nitrit behindert den Sauerstofftransport im Blut der Aquarienbewohner und die Toxizität vom Ammoniak ist ebenso schädlich. Beide Stoffe, sowohl Ammoniak als auch Nitrit sorgen regelmässig für Massensterben im Aquarium. Bei Ammoniak kann man von der Faustformal ausgehen, daß sich dieses nur bildet, wenn der ph-Wert des Aquarienwassers über ph7 liegt, also im alkalischen Bereich, liegt der ph im sauren Bereich, also unter ph7, bildet sich normalerweise kein Ammoniak sondern das ungefährlich Ammonium.

Hierbei ist es also wichtig, daß man während der Einfahrphase die Wasserwerte für Ammonium/Ammoniak, Nitrit, Nitrat und ph im Auge behält in dem man regelmässig diese Werte mit Tropfentests aus dem Fachhandel kontrolliert. Eine Kontrolle erfolgt hier allerdings nicht einmalig sondern in kurzen Abständen, hier bei uns in der Einfahrphase normalerweise täglich. Auch schon in der Einfahrphase erfolgen Teilwasserwechsel so alle 1-2 Wochen, hierbei immer ca. 15-20% des Beckeninhalts und die Menge an Wechselwasser erhält ebenfalls Wasseraufbereiter und Pflanzendünger.

Es gibt noch 2 weitere wichtige Wasserparameter, die es gilt zu beachten. Jeder Aquarienbewohner hat unterschiedliche Bedürfnisse, was die Wasserbeschaffenheit angeht. Manche benötigen sehr weiches Wasser, andere wiederum eher mittelhartes bis hartes Wasser. Deshalb sollte man sich im Vorfeld, noch vor dem Kauf, Gedanken darüber machen, welche Bewohner im Aquarium einziehen sollen und sich dann ebenfalls im Vorfeld darüber informieren, welche Wasserwerte die Tiere benötigen. Auch sollte man nie wahllos alles zusammensetzen dann nicht jede Gattung verträgt sich mit der anderen. Wenn man also weiß, welche Bewohner einziehen sollen und weiß, welche Gesamthärte und Karbonathärte des Wassers die Tiere benötigen, kann man diese beiden Parameter also Gesamthärte (GH) und Karbonathärte (KH) im Wasser einstellen. Hierbei muß ich erwähnen, daß man sich natürlich leichter dabei tut, wenn dies schon vor dem ersten Befüllen des Aquariums passiert ist, sprich, schon bereits eingestelltes Wasser ins Becken eingefüllt wird.

Einstellen lassen sich GH und KH auf 2 Arten : Durch verschneiden von Leitungswasser und vollentsalztem Wasser oder durch Aufhärten von vollentsalztem Wasser mittels Aufhärtesalz. Ich bevorzuge mittlerweile die Methode mit dem Aufhärtesalz da es weniger rumzupanschen gibt und genauer ist. Was ist nun genau vollentsalztes Wasser ? Vollentsalztes Wasser ist Wasser das keinerlei Gesamthärte und auch keine Karbonathärte enthält. Hergestellt wird dieses Wasser mit einem Vollentsalzer ode einer Osmoseanlage. Näheres dazu kann HIER nachgelesen werden. Ein kleines Rechenbeispiel :

10 Liter Leitungswasser (GH20+KH10)
+10 Liter vollentsalztes Wasser (GH0+KH0)
=20 Liter Mischung (GH10+KH5)

Der ph-Wert lässt sich ebenfalls einstellen. Am einfachsten geschieht dies über Co2. Unter Zuhilfenahme von Co2 lässt sich der ph-Wert im Aquarium senken und Co2 ist ebenfalls ein weiterer Pflanzennährstoff, welcher bei uns in den Aquarien regelmässig dafür sorgt, daß die Pflanzen im Aquarium förmlich im Wachstum explodieren. Der Hauptgrund warum ich Co2 einsetze bei uns ist der, daß mir sonst der ph-Wert bei uns in den Aquarien auf ca. ph8 klettert, kommt von der Oberflächenbewegung des Wassers durch den Filter und zusätzliche Luftsprudler im Becken, und unsere Zwerggarnelen einen so hohen Wert nicht mögen sondern einen Wert unter ph7 wollen. Um Co2 ins Aquarium zu bringen benötigt man weitere Technik. Die preisgünstigste Lösung ist hier das sogenannte Bio-Co2, welches man unter Zuhilfenahme der Gärmethode von Wasser, Zucker und Hefe selbst herstellen kann. Auf Dosierungen für die Mischung von Wasser, Zucker und Hefe werde ich nun nicht weiter eingehen, darüber finden sich ettliche Rezepturen im Internet. Eine Anleitung für den Bau eine Bio-Co2-Anlage findet man hier : http://www.garnelenforum.de/board/showthread.php?t=129619
Ich persönlich halte generell wenig von Bio Co2, da sich die kleinen Bioanlagen nicht regeln lassen deshalb bevorzuge ich die Methode einer geregelten Anlage in Verbindung mit einer Druckgasflasche, die fertiges Co2 enthält. Solche Anlagen werden von vielen Herstellern angeboten, kosten natürlich ein bischen etwas aber dafür lässt der ph-Wert im Aquarienwasser optimal damit einstellen.

Es gibt einen Sonderfall bei den Aquarienbewohnern, das sind die Schnecken. Sicher schreibe ich, daß man keine Tiere während der Einfahrzeit ansich einsetzt. Eine Sonderstellung nehmen hier allerdings trotzdem die Schnecken ein. Schnecken ziehen bei uns direkt ein, nachdem die Einrichtung des Beckens abgeschlossen ist. Einerseits sorgen Schnecken durch ihre Ausscheidungen von Kot und Urin zusätzlich für die Versorgung der Nutzbakterien mit Nahrung und zum anderen verwerten die Schnecken auch einen Teil des Futters vom Anfüttern des Beckens. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle, daß wir bisher nie Ausfälle, sprich tote Schnecken durch Nitritpeak oder dergleichen hatten. Anscheinend bleiben Schnecken von Ammoniak oder Nitrit völlig unbeeindruckt. An Schnecken setzen wir hauptsächlich Turmdeckelschnecken, Posthornschnecken und Blasenschnecken ein. Die Turmdeckelschnecken sorgen dafür, daß der Quarzsand m Becken schön locker bleibt und nicht festbackt, weil diese Schneckenart sich eingräbt im Bodengrund.

Sind nun also nach einigen Wochen alle Wasserwerte stabil, so können endlich die ersten Bewohner nach den Schnecken einziehen. Ab jetzt ist Leben im Aquarium angesagt. Eingesetzt werden Fische und Garnelen sehr langsam. Man geht dabei niemals her, macht die Tüte Transporttüte auf und schüttet die Tiere ins Becken. Unterscheiden tue ich dabei allerdings schon, ob ich Fische oder Garnelen einsetze denn Fische benötigen in der Regel eine kürzere Eingewöhnungszeit als Garnelen.

Einsetzen von Fischen :

Ich nehme die Transporttüte und lege diese verschlossen für ca. eine halbe Stunde auf die Wasseroberfläche des Aquariums. Danach mache ich die Tüte auf und schütte über einen Zeitraum von 45 bis 60 Minuten mit einer Tasse solange Aquarienwasser in die Tüte, bis der Inhalt auf das 2-3fache des Transportwassers angestiegen ist. Jetzt werden die Fische mit einem Kescher aus der Tüte herausgefangen und ins Aquarium eingesetzt. Das Transportwasser schütte ich weg da und schütte es nicht mit in mein Aquarium um so das Einschleppen von Krankheiten und Keimen aus fremden Becken zu verhindern.

Einsetzen von Garnelen :

Da Garnelen in der Regel die empfindlicheren Bewohner wie Fische sind, gehe ich hier wesentlich behutsamer vor. Dafür nehme ich so einen Netzaufzuchtbehälter für Fische, den man im Fachhandel zu kaufen bekommt und stelle den Aufzuchtbehälter in einen großen Eimer. Nun schütte ich die Garnelen vorsichtig mit ihrem Transportwasser aus der Tüte in den im Eimer befindlichen Aufzuchtbehälter. Danach nehme ich eine große Schüssel, die ich mit Wasser aus dem Aquarium fülle. Da ich dies immer bei uns in der Küche mache habe ich günstige Verhältnisse denn den Eimer mit den Garnelen stelle ich neben die Mikrowelle und die Schüssel mit dem Aquarienwasser auf der Mikrowelle. Jetzt nehme ich einen dünnen Schlauch (4/6er Luftschlauch) und befestige das eine Ende des Schlauches mit einer Wäscheklammer an der Schüssel mit Aquarienwasser und zwar so, daß sich das Schlauchende am Boden der Schüssel befindet. Das andere Ende des Schlauches stecke ich auf den Einlaß eines Lufthahns, der sich ja regulieren lässt. Ich verwende hierbei so einen metallenen Lufthahn mit einem Einlass und 2 Abgängen. Den einen Abgang lasse ich geschlossen und auf den anderen stecke ich noch ein kurzes Stück Schlauch. Nun hänge ich den Lufthahn auf den Rand des Eimers mit den Garnelen, drehe den Lufthahn auf, sauge mit den Mund an und wenn das Wasser fließt, drehe ich den Hahn so weit zu, daß es nur noch schnell tropft. Das ganze lasse ich solange tropfen, bis die Wassermenge im Eimer in etwa 3 mal so viel beträgt. Dies dauert so gute 3 Stunden. Anschließend nehme ich den Aufzuchtbehälter mit den Garnelen aus dem Eimer und entlasse die Garnelen ins Aquarium. So habe ich die Tiere sehr langsam an die neuen Bedingungen gewöhnt und ich habe keine Ausfälle.

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