
Viele betrachten sich die Aquarienbilder im Internet, wo es prächtig bepflanzte Aquarien zu bestaunen gibt, zum Teil sogenannte Hollandaquarien oder Aquarien im Amanostil, wo die Pflanzen im Vordergrund stehen und nicht die Bewohner selber oder eben sonstige prächtig bepflanzte Becken.
Gerade Anfänger in der Aquaristik haben mit den Aquarienpflanzen oft ihre liebe Mühe, sei es nun, die Pflanzen dazu zu bewegen, daß diese wachsen und gedeihen oder auch zu verhindern, daß durch neue Pflanzen Fische und Garnelen sterben.
Aus diesem Grund möchte ich einmal erläutern, wie wir es hier mit unseren Pflanzen handhaben, speziell wenn es um neue Pflanzen aus dem Fachhandel geht.
Das größte Problem, was sich hier darstellt bei Pflanzen aus dem Fachhandel ist dieses, daß Pflanzen in den Wasserpflanzengärtnereien oftmals außerhalb des Wassers gezüchtet werden und einen sehr hohen Anteil an für Aquarienbewohner schädlichen Pestiziden und Düngern enthalten. Sei es nun auf den Blättern und Stengeln oder aber auch in den Materialien, so eine Art Watte/Wolle, wo sich das Wurzelwerk darin befindet.
Grundvorraussetzung ist hierbei schon einmal, daß man das Substrat an den Wurzeln peinlichst genau entfernt. Verlasst Euch hierbei nicht auf Aussagen von Händlern etc, daß alles völlig unbedenklich sei, dem ist nicht so und wir haben in der Vergangenheit schon schmerzliche Verluste bei unseren Tieren einfahren müssen durch neue Pflanzen.
Ist alles entfernt, kommen die Pflanzen bei uns zuerst einmal für kurze Zeit in ein Mineralwasserbad, wobei das Mineralwasser viel Kohlensäure haben sollte. Das Mineralwasser sorgt dafür, bzw. die Kohlensäure, daß alles an Ungeziefer an den Pflanzen was bereits lebendig ist, abgetötet wird und nicht mit ins Becken gelangt. Schneckenlaich und anderer Laich bleibt von dieser Behandlung eigentlich unbeeindruckt aber gerade bereits geschlüpfte Libellenlarven oder anderes Ungetier übersteht das Mineralwasserbad nicht. Gerade Libellenlarven stellen eine große Gefahr für den Garnelenhalter dar und selbst bei uns haben Libellenlarven schon ganze Garnelenbestände in den Aquarien vernichtet. Deshalb sollte man dies im Becken vermeiden und darum verwenden wir zunächst ein Mineralwasserbad.
Im nächsten Schritt kommen die Pflanzen in einen großen Eimer mit Wasser und für mindestens 2 Wochen werden die Pflanzen nun gewässert, wobei alle paar Tage das Wasser gewechselt wird und die Pflanzen abgespült werden. Somit sind dann auch evtl. vorhandene Düngerreste und Pestizide von den Pflanzen weg und es kann eingepflanzt werden. Zuvor noch die Wurzeln gekürzt und ab in den Bodengrund damit.
Auf irgendwelche Bodenzusätze wie Deponitmix oder andere Spielchen, die dem Hersteller die Taschen vollmacht, verzichten wir gänzlich, seit uns ein Aquarium auf Deponitmix gekippt ist und mehr einer Jauchegrube geglichen hat als einem Aquarium, denn den Deponitmix war regelrecht verfault und das trotz vielen Turmdeckelschnecken im Becken, die den Boden locker halten.
Nein, es ist einfacher Quarzsand und sonst nix für den Bodengrund. Wundern darf man sich dann allerdings nicht, wenn speziell Blattpflanzen erst mal einige, viele oder alle Blätter verlieren. Oft werden die alten Blätter erst mal abgestossen um dann neue, noch prächtigere Blätter zu bilden. Sollte als eine Pflanze erst mal aussehen, als würde sie kaputt gehen, erst einmal abwarten.
Um Pflanzen nun auch gedeihen zu lassen, liegt bei uns der Knackpunkt in der Mischung aus Volleisendünger und Co2. Viele Dünger haben wir ausprobiert aber viele enthalten einfach einen zu hohen Anteil an Kupfer und den vertragen unsere Garnelen gar nicht. So verwenden wir ausschließlich Ferrdrakon von DRAK und in Verbindung mit einer geregelten Co2-Anlage explodieren unsere Pflanzen regelrecht und so, daß Nadine eigentlich gar nicht mehr aus dem Gärtnern rauskommt. Speziell Stängelpflanzen wie Cabomba, Cognacpflanze oder auch Hornkraut wachsen so brachial, daß sie 1-2 mal die Woche zurückgekürzt werden müssen und auch Schwimmpflanzen wie Froschbiss explodiert.
Beachtet man also diese Vorgehensweise, so sollte es auch für den Anfänger möglich sein, prächtige Aquarienpflanzen im Becken zu haben.

Dieser Artikel sollte für jeden Einsteiger in die Aquaristik zur Pflichtlektüre gehören. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich habe die Scene von beiden Seiten kennengelernt. Als Aquarianer bin ich seit 40 Jahren aktiv und habe in Ermangelung der vielen hilfreichen Tipps, wie es sie heute im Netz gibt, alle Erfahrungen selbst “durchleiden” müssen. Später war ich lange Zeit Angestellter bei einem Hersteller für Aquaristikprodukte. Vor dem Hintergrund dieses Erfahrungshorizontes kann ich über die schon fast religiös anmutende Gläubigkeit an die Wirkung der vielen Mittelchen, welche man sich ins Aquarium kippen soll, einfach nur den Kopf schütteln.
In einer Welt, in der ohne Wachstum gar nichts mehr geht, hat die Aquaristikbrachnche natürlich ein Problem. Die durchschnittliche Anzahl der Aquarien in den Haushalten stagniert. Also was tun? Neue Produkte müssen her. Und so wird vor jeder Interzoo eine neue Sau durchs Dorf getrieben.
Einmal ist es der neue Super-Mega-Power-Bodengrunddünger und das nächste mal die ultimative Leuchstoffröhre für 40 EURO, die eigentlich kein Mensch braucht.
Ich sag Euch was. Es ist genau wie Alex oben schon geschrieben hat. Handelsüblichen Quarzsand oder feinkörnigen Kies, eine regelbare CO2-Anlage, ausreichend Licht mit möglichst großem Farbspektrum und einen guten Eisendünger, mehr braucht man nicht um einen dichten Pflanzenwuchs zu erreichen.
Bei der Wahl der Pflanzen sollte man nicht blind allen Beteuerungen des Händlers trauen. Große Wasserpflanzengärtnereien sind ein Paradies für viele Arten von Pflanzenschädlingen. Und natürlich werden dort auch Pestizide eingesetzt. Biologischer Pflanzenschutz wäre ungleich teurer. Zudem kommen die allermeisten Pflanzen aus Asien zu uns. Wer will kontrollieren, was da eingesetzt wird?
Also Aussagen wie “unbehandelt” oder “garantiert garnelenfrendlich” würde ich sehr skeptisch betrachten.
Das gleiche gilt für das Thema Dünger. Keine Gärtnerei kann auf Düngergaben verzichten, im Gegenteil. Viele Pflanzen werden regelrecht hochgepowert, damit sie schnell die Verkaufsgröße erreichen. Dabei kommt es auf jeden Tag an, denn beheizte Treibhausfläche kostet in Europa inzwischen ein kleines Vermögen.
Das soll nicht heißen, dass man im Fachhandel nicht qualitativ hochwertige Aquarienpflanzen bekommt. Das Angebot ist um ein Vielfaches besser und reichhaltiger als noch vor wenigen jahren. Aber ein gewisses Maß an gesundem Menschenverstand und ein skeptischer Umgang mit Werbeversprechen sollte beim Kauf immer dabei sein. So bleibt man vor Enttäuschungen weitestgehend verschont.