Die Borniertheit auf dem Dorf

Heute ist ja bekanntlich Halloween. Eigentlich sollte man meinen, daß in der heutigen Zeit jedem der Spruch „Süßes oder Saueres“ bekannt ist. Das mag ja auch auf viele Dörfer in Deutschland zutreffen seit der Zeit, als auch Halloween bei uns in Deutschland populär geworden ist.

Aber Stahringen macht da natürlich mal wieder eine Ausnahme denn hier ticken die Uhren an vielen Stellen erheblich langsamer. Noch immer heulen hier viele vor allem ältere Einwohner der Zeit nach, in der die Kinder mit den Rübengeistern von Haus zu Haus gezogen sind.

Zum Verständnis für diejenigen unter meinen Lesern, die mit einem Rübengeist nichts anfangen können, das waren damals Geister, die man aus einer Dickrübe geschnitzt hat, hier sagt man auch Runkelrübe dazu. Diese Rüben wurden unter anderem damals als Schweinefutter verwendet und man konnte daraus eben auch perfekt Rübengeister schnitzen. Allerdings waren die Dinger schwieriger zu schnitzen als ein Kürbis denn sie waren durch und durch Fruchtfleisch und nicht schleimig und weich wie ein Kürbis innen. Dickrüben gibt es hier aber nun schon lange keine mehr.

Ich will aber mal zum Kern kommen. Damals in meiner Kindheit hat man als ordentlicher Rübengeistträger an der Haustüre der Leute ein Sprüchlein aufgesagt und die Leute haben einem dann etwas gegeben, entweder Süßigkeiten oder halt Geld. Der Spruch damals war in der Art „Wir sind die Rübengeister und kommen hier vom Dorf und wollt ihr uns nichts geben dann bleiben wir hier kleben, huuhhhhhhhhh“.  Heute ist der Spruch aber eben „Süßes oder Saueres“ und so ist das halt nun mal an Halloween.

Nur die Stahringer können mit Halloween so gar nichts anfangen und was ist passiert ? An jedem Haus konnten sich meine beiden Söhne einen blöden Spruch anhören, wo denn der Rübengeisterspruch sei und blablabla.

Das ist typisch für das Dorf hier, die Leute sind extrem borniert, schwelgen in alten Erinnerungen und die Kinder der heutigen Zeit können die Launen der Ewiggestrigen ertragen und ausbaden. Warum wundert mich das aber nun nicht für dieses Dorf hier ? Nun man kennt die Pappenheimer hier ja und ich hätte es eigentlich wissen müssen, daß so etwas passieren wird aber die Kinder wollten unbedingt umherziehen und wir haben ihnen den Gefallen getan. Aber an der Enttäuschung der Kinder sehe ich, daß es keine gute Entscheidung war, sie auf die chronischen Nostalgiker hier loszulassen.

Es ist mehr als 5 vor 12 daß auch endlich mal der letzte Heuler hier erkennt, daß es alte Zöpfe gibt, die schon vor mehr als einem Jahrzehnt hätte abgeschnitten gehört. So ein Dorfleben kann einem wahrlich mit Ekel erfüllen und täglich nimmt der Brechreiz ein wenig mehr zu. Und dann fragen sich auch die Dorfvereine, warum immer mehr Leute sich lieber Vereine in anderen Ortschaften oder der Stadt suchen. Fragen die sich das ernsthaft oder sind die einfach so blind ?

Lange Rede kurzer Sinn, da vor allem unser Großer der Christoph relativ sensibel ist und nicht weiss, wie er solch ein Verhalten einordnen soll weil wir solche Dinge sonst von ihm fernhalten haben wir nach einigen Häusern abgebrochen und sind nach Hause gegangen.

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