Mode: Die Zeiten ändern mich

Der Herbst ist da und mit ihm das kältere Wetter. Dies bedeutet für die Familie den unvermeidlichen Großeinkauf neuer Kleidung, insbesondere für die Kinder, denen die Winterkleidung vom letzten Jahr natürlich nicht mehr passt. Aber auch für mich selbst wurde es mal wieder Zeit, nach dem ein oder anderen neuen Kleidungsstück zu schauen und dabei wurde mir doch erstmals deutlich, dass sich der Geschmack im Laufe der Zeit ändert.

Die Infantilisierung der Erwachsenenmode

Es ist heute eigentlich kein Problem mehr, für Väter und Söhne im Partnerlook durch die Gegend zu laufen. Kleidung für meinen Sohn könnte ich – ein paar Nummern größer – auch für mich selbst kaufen. „Nerdige“ Sweatshirts mit buntem Aufdruck, die direkt aus den 80er Jahren zu stammen scheinen, wechseln sich ab mit schlabberigen Hoodies, die ansonsten an Rappern aus den finsteren Stadtteilen von New York City gesichtet werden. Neuerdings tauchen auch die Holzfällerhemden wieder auf, die zuletzt der selige Kurt Cobain Anfang der 90er Jahre als Vorreiter des Grunge spazieren führte. Das Blöde am Älterwerden ist, dass man sich leider noch erinnert, wann die achso-trendy Mode zuletzt in gewesen ist. Und dass es eigentlich kaum noch was Neues gibt.

Vor allem aber macht mir zu schaffen, dass gestandene Männer kurz vor der zweiten Lebenshälfte scheinbar kein Problem damit haben, wie verspätete Teenager herumzuschlurfen. Und ich meine damit nun nicht die Jogginghose und das T-Shirt für den Netflix-Marathon an einem verregneten Wochenende. Ehrlich gesagt steht mir der Sinn heute dann doch eher nach einem gepflegten Strickpullover für Herren als nach einem Hoodie mit überdimensioniertem Label oder Pseudo-US-College-Aufdruck auf der Front. Klassische Strickpulllis kommen halt nie aus der Mode und können immer und überall getragen werden.

Schreckliche Mode gab es schon immer

Glaubt man den Kulturpessimisten im Feuilleton schreitet die Infantilisierung der Gesellschaft voran. Da kann ich mich also glatt als Fashion-Rebell fühlen, der sich gegen den Mainstream stemmt und sein eigenes Ding macht. Allerdings glaube ich nicht, dass es wirklich so schlimm ist, wie es die Wahrnehmung vorgaukelt. Schaut man sich alte Fotos aus den 70er und 80er Jahren an und die damals angesagten schrillen Farben und Schnitte, wirkt die heutige Mode insgesamt um einiges braver. Wer erinnert sich nicht an die schrecklich bunten Trainingsanzüge aus Ballonseide, die in den 80er Jahren in waren? So wie wir uns heute mit Gruseln an diese Zeit erinnern, werden sich andere in 20 Jahren mit Gruseln an ihre Pseudo-Rapper-Hoodies und infantilen Sweatshirts mit Batman-Logo erinnern. Ich sehe dann auf alten Fotos richtig gut aus im dezenten Strickpullover.

Bild 1: ©istock.com/innovatedcaptures
Bild 2: ©istock.com/RyanJLane

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