Zeitarbeit ist ein schmutziges Geschäft

Gestern hatte ich auf Facebook im Zuge einer politischen Diskussion die Bekanntschaft einer Frau gemacht, die in Berlin eine Filiale einer Zeitarbeitsfirma leitet. Da die Zeitarbeit momentan wieder in aller Munde ist und nicht gerade den besten Ruf geniesst kam von der Dame irgendwann die Frage auf, was denn so schlimm wäre an der Zeitarbeit.

Die Frage wäre eigentlich mit Hungerlöhnen und schlechten Arbeitsbedingungen schnell beantwortet aber das wollte die Dame nicht auf sich sitzen lassen. Sie holte ein wenig weiter aus und beschrieb in markigen Worten, daß die ganzen Vorhaltungen zwar für die schwarzen Schafe am Markt zutreffen würden, ihre Firma aber gänzlich anders wäre, im speziellen ihre Filiale in Berlin, die sie leitet.

Da ich in der Vergangenheit selber meine Erfahrungen gemacht habe mit Zeitarbeitsfirmen und es durchweg eigentlich schlechte Erfahrungen waren sagte ich ihr, sie solle doch mal eine Ansage machen, was sie einem gelernten Facharbeiter mit mehrjähriger Berufserfahrung bezahlen würde. Als Antwort bekam ich, daß sie 10-12 Euro für realistisch ansehen würde, brutto versteht sich.

Es ist ja nun so in etwa 3 Jahre her, als ich mich das letzte Mal beworben habe. Natürlich habe ich mich auch bei Zeitarbeitsfirmen beworben damals aber nicht für den Bereich Zeitarbeit sondern für eine Vermittlung über einen Vermittlungsgutschein. Ich muß dazu sagen, daß es genau eine Firma gab, die das wirklich drauf hatte und einen guten Job gemacht hat und daher habe ich seit dieser Zeit nun auch meinen Job in meiner jetzigen Firma als CNC-Dreher. Diese Zeitarbeitsfirma hat meine Referenzen für bare Münze genommen und erkannt, daß sie mir nicht mit Hungerlöhnen kommen brauchen sondern eben tatsächlich nur eine Vermittlung in Frage kommt. Zu meine Glück hatten die Kunden, die in einer Vermittlung bereit waren, meine Lohnforderungen zu akzeptieren und da ich vorher in Luxemburg gearbeitet hatte, waren diese nicht gerade unten angesiedelt und ich war auch gar nicht bereit, unter meinen Forderungen anzufangen. Unterm Strich hat diese Zeitarbeitsfirma einen guten Job gemacht und ich bin der dortigen Arbeitsvermittlerin zu großem Dank verpflichtet.

Aber genug der Beweihräucherung denn es geht ja um die anderen am Markt. Was bin ich von diesen Firmen mit Versprechungen in ein Vorstellungsgespräch gelockt worden. Einmal da gewesen lagen die Karten schnell auf dem Tisch denn wenn es dann um das Thema Lohn ging, war der Ofen schnell aus. Manche Disponenten waren sogar richtig brüskiert, als ich meine Lohnforderung vorgetragen habe und sahen es als Frechheit meinerseits an. So war ich dann irgendwann an dem Punkt angelangt, wo ich nach der Begrüssung direkt nach dem Lohn gefragt habe und dann direkt wieder gehen konnte weil der Rest ohnehin uninteressant war.

Die Sache ist einfach die, ich weiß ja, welche Löhne hier unten bei uns am See in der Industrie bezahlt werden und durch die Bank alle Zeitarbeitsfirmen wollten mich im Rahmen der Zeitarbeit mit einem Lohn abspeisen wo selbst Hilfsarbeiter in der Industrie mehr bekommen aber ich bin nun mal kein Hilfsarbeiter sondern Facharbeiter mit langjähriger Berufserfahrung, Auslandserfahrung und 4 Sprachen spreche ich dazu noch. Die Firmen bezahlen also einen Hungerlohn und kassieren aber von ihren Kunden für einen Facharbeiter. Auch was die Sozialleistungen angeht war tote Hose. Weniger Urlaub als in der Industrie üblich, kein 13. Monatsgehalt und und und.

Zu guter Letzt trifft man dann eine Frau auf Facebook, die behauptet, in ihrer Filiale in Berlin wäre alles anders und besser und dabei ist sie wie die anderen auch. Diese Firmen heißen nicht umsonst Seelenverkäufer, Sklavenhändler oder wie auch immer.

Es mag ja ganz okay sein für den einen oder anderen um mal eine kurze Zeit der Arbeitslosigkeit zu überbrücken indem man in die Zeitarbeit geht und viele haben auch die Hoffnung, daß daraus ein Arbeitsplatz bei einer Firma in einem Festvertrag endet. Doch diese Hoffnung stirbt sehr schnell da die Firmen in der Regel nur kurzfristige Personalengpässe durch die Zeitarbeiter ausgleichen. So bleiben dann viele lange Zeit in der Zeitarbeit hängen und buckeln für einen Hungerlohn.

Wollte die Politik hier wirklich einen neuen Weg gehen so müssten diese Firmen dazu verpflichtet werden, ihren Mitarbeitern die selben Stundenlöhne zu bezahlen, wie die Firmen, in denen sie ihre Mitarbeiter einsetzen. Es kann einfach nicht sein, daß eine Firma ihren Mitarbeitern Stundenlöhne von 18 oder 20 Euro und mehr bezahlt, der Zeitarbeiter macht die selbe Arbeit wie die Stammbelegschaft, bekommt von seiner Zeitarbeitsfirma dafür aber einen Stundenlohn von nicht selten unter 10 Euro brutto.

Daher ist es so, daß die Zeitarbeit ein schmutziges Geschäft ist und bleibt denn hier hat die Politik bisher versagt und wird es auch in der Zukunft nicht ändern. Und weil das Ganze so ein lukratives Geschäft ist mit der Ausbeutung von arbeitswilligen Bürgern, spriessen diese Zeitarbeitsfirmen wie Pilze aus dem Boden.

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