Beschäftigungstherapie für Langzeitarbeitslose

Derzeit ist es einfach grandios und man kann in einen regelrechten Schreibrausch verfallen wenn man sich die neuen Ideen der Politiker zur Hartz IV Debatte ansieht.

In einer neuen Idee spricht sich Hannelore Kraft von der SPD dafür aus, gemeinnützige Jobs für Langzeitarbeitslose zu schaffen. Im Detail sieht ihre Vision vor, daß Langzeitarbeitslose künftig Oma und Opa im Altersheim Bücher vorlesen, in Sportvereinen mithelfen oder Straßen reinigen und von Unrat befreien.

Auf den ersten Blick sieht das Ganze eigentlich recht solide und durchdacht aus, sprich Geld gegen Leistung. Nun, alte Menschen in den Heimen würden sich sicher über die willkommene Abwechslung freuen, die Sportvereine können Unterstützung immer gebrauchen und die teilweise völlig überlasteten Straßenmeistereien wären ebenso dankbar für die Hilfe.

Das ist alles erst einmal die Theorie. Die Praxis sieht allerdings ganz anders aus. Fakt ist, daß du als Hartz IV Empfänger verpflichtet bist, Eigeninitiative zu zeigen, beim Erlangen einer neuen Beschäftigung. Dazu musst Du normalerweise pro Woche eine bestimmte Anzahl an Bewerbungen vorweisen. Diese Bewerbungen ziehen in der Regel auch irgendwo Vorstellungsgespräche nach sich.

Hier beginnt aber jetzt die Zwickmühle. Bist Du nun in einer verordneten Maßnahme wie Leseonkel im Altersheim, Straßenfeger oder Vereinshelfer und fehlst ständig wegen Vorstellungsgesprächen, wird sich ein findiger Mitarbeiter des Jobcenters erdreisten, dir deine Leistungen zu kürzen. Im anderen Fall, kommst du Vorstellungsgesprächen nicht nach und ein potentieller Arbeitgeber meldet dein Nichterscheinen, weil du deiner verordneten Tätigkeit nachgehst, wird sich ebenso ein findiger Jobcenter Mitarbeiter finden, der deine Leistung kürzt oder streicht.

Alles in der Form schon da gewesen und kein Einzelfall und Entscheidungen eines Jobcenters beruhen oft genug auf reiner Willkür.

Ich will an dieser Stelle nicht behaupten, daß Frau Kraft in diesem Fall völlig daneben liegt mit ihren Ideen allerdings müssen die Grundlagen dafür geschaffen werden und dies in einer Art und Weise, daß Willkür seitens der Jobcenter und Arbeitsagenturen keine Chance haben.

Nichts spricht dagegen, daß Empfänger staatlicher Leistungen etwas tun als Gegenleistung, wenn es dem Allgemeinwohl der Bürger dient aber nur solange dies keinerlei Sanktionen nach sich zieht. In diesem Zusammenhang waren die Gedankenansätze eines Herrn Westerwelle nicht wirklich schlecht mit dem Schneeschippen, nur waren die Worte einmal mehr sehr unglücklich gewählt. Die Straßenmeistereien hätten in diesem Winter durchaus Hilfe benötigt.

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