Testbericht – Wiko Ridge Fab 4G

Quelle: Wiko
Quelle: Wiko

Vorbei ist die Zeit, als das Wiko Getaway mein täglicher, treuer Begleiter im Berufsalltag, als auch privat war. Das Smartphone hat den Weg in die faktisch ewigen Jagdgründe angetreten, den vor ihm schon so manches Telefon nahm.

Eines Morgens stellte ich einen Bruch im Display am Getaway fest und damit hatte sich das integrierte GPS gleich mit verabschiedet. Wie auch immer, es musste Ersatz dafür gefunden werden.

Nun ist es sicher nicht so gelagert, dass ich bereit bin, einen Betrag oberhalb der 500-Euro-Grenze in ein Smartphone zu investieren. Meine Schmerzgrenze liegt dabei deutlich unter 300 Euro.

Meine Wunschoptionen waren folgende:

• Display über 5 Zoll
• 4-Kern-Prozessor
• 16 GB interner Speicher (erweiterbar)
• 2 GB Arbeitsspeicher
• Android
• griffige Rückseite
• optisch ansprechend (das Auge isst bekanntlich mit)

Damit waren die Optionen für die Suche festgelegt und diese gestaltete sich auch nicht wirklich schwierig. Den Markt an Geräten über 5 Zoll innerhalb meines Budgets empfinde ich als sehr übersichtlich, was nicht zwingend negativ zu sehen ist.

Ich gebe zu, ich liebäugelte sehr stark mit Motorolas Moto X Play. Dabei ging ich hart mit mir ins Gericht, ob die Euros über meinem Budget bei meiner Nutzung wirklich einen Mehrwert darstellen. Ich kam für mich zu dem Ergebnis, dass sich der Mehrpreis für mich nicht auszahlt.

Folglich fiel meine Wahl erneut auf Wiko und damit auf das Ridge Fab 4G. Dazu beigetragen haben sicher meine sehr positiven Erfahrungen mit dem Support von Wiko, als ich beim Getaway mal einen Garantiefall hatte. Darüber schrieb ich bereits in einem früheren Artikel.

Ein detailliertes Unboxing erspare ich mir an dieser Stelle, denn diese finden sich über das Ridge Fab bereits zur Genüge im Netz.
Ein Aspekt sollte hierbei zum Lieferumfang aber nicht unerwähnt bleiben. Wer Wiko aus der Vergangenheit kennt, dem sind auch die bisher beigelegten In-Ears bekannt. Rühmlich waren die Ohrhörer bislang im Hinblick auf Tragekomfort und Sound sicher nicht. Hier kamen zu meiner Freude In-Ears zum Vorschein, die den Namen auch verdienen. Die weichen Silikonkappen der Stöpsel sitzen satt und sehr angenehm im Ohr. Kein Vergleich zu den Vorgängerversionen, die als Dreingabe sonst dabei lagen.
Bose-Sound kann man von den kleinen Hörern selbstredend nicht erwarten, aber der positive Aha-Effekt stellt sich in meinen Augen dennoch ein.

Auch mit den Specs (technische Daten) will ich an dieser Stelle niemanden langweilen. Diese stehen auf den Seiten von Wiko und zahlreichen Shoppingportalen ausführlichst für den geneigten Nutzer bereit zur Einsicht. Es geht mir hierbei vielmehr darum, wie sich das Ridge Fab auch nach Wochen des Testens und Kennenlernens anfühlt. Also kein reiner Kurztest.

Ich gehöre sicher nicht zu den geduldigen Menschen, wenn sie etwas Neues besitzen. Aber da ein neuer Akku erst mal geladen werden will, musste ich diese Zeit wohl oder übel abwarten. Wiko macht hier aber einen guten Job und lädt den Akku satt vor. Somit ist die Wartezeit auch für Menschen wie mich in erträglicher Länge.

Die technischen Daten waren mir bereits vor dem Kauf hinlänglich bekannt. Der Gang zu Media Markt offenbarte, dass das Ridge Fab und meine Hände Freunde würden. Ich habe für einen Mann eher kleine Hände, aber die Größe lässt sich für mich problemlos handhaben. Meine Entscheidung fiel auf die Version Schwarz-Orange, wie auf dem Bild zu sehen ist.

Typisch für ein Wiko befinden sich Powerschalter und Lautstärkewippe auf der rechten Seite. Entfernt man die Rückseite, gelangt man zu den beiden Sim-Karten-Slots und dem Slot für die Speicherkarte. Ebenfalls befindet sich unter der Abdeckung der AUSTAUSCHBARE Akku, welchen ich als großen Vorteil gegenüber fest verbauten Versionen sehe. Powerschalter und Lautstärkewippe haben einen angenehmen Druckpunkt, nichts wackelt oder macht Geräusche. Die Verarbeitung ist für ein Smartphone in der Klasse bis 250 Euro über jeden Zweifel erhaben, was sich in gefälligen Spaltmaßen und dergleichen zeigt. Rein optisch ist Wiko damit ein, für mich, echtes Prachtstück gelungen.

Der Akku ist so etwas wie der am kontroversesten diskutierte Punkt beim Thema Smartphones und er ist Hass-Objekt vieler Nutzer. Gerne entwickelt sich daraus ein wahrer Shitstorm gegen die Hersteller. Die Frage ist dabei immer, wie viel Akkukapazität denn nun genug ist.
Hier hat Wiko nach meinem Empfinden alles richtig gemacht. Nach 3 Ladezyklen hatte der Akku sein volles Potenzial offenbart. Treibt man es auf die Spitze mit der Nutzung des Phablets, so bleiben am Ende des Tages dennoch Stromreserven über.
Bei normaler Nutzung mit Mails checken, Messenger, Newsseiten, sozialen Netzwerken, Browser-Nutzung und ein wenig Gaming muss das Ridge Fab in der Regel alle 2-3 Tage an den Strom zum Nachtanken. Den Wert finde ich in Anbetracht der Akkukapazität doch erstaunlich gut.

Die Ersteinrichtung verlief auf dem Ridge Fab 4G gewohnt unspektakulär, Android ist dabei einfach selbsterklärend. Die Synchronisation mit dem Google-Konto hielt ebenfalls keine Überraschungen bereit und meine zuvor auf dem Getaway verwendeten Apps landeten ohne mein Zutun im Speicher.

Aus dem Vorfeld war mir bekannt, dass eine neue Software zum Einsatz kam, die keinen App-Drawer besitzt. Somit werden alle installierten Apps erst mal auf den Screens abgelegt.
Völlig überlagerte Screens missfallen mir und das war durchaus gewöhnungsbedürftig. Die Optik der neuen Oberfläche ist detailverliebt gestaltet und der neue Standardhintergrund gehört mit zum Besten, was ich je auf einem Smartphone gesehen habe. Auch das neue Design der Icons ist extrem gelungen.
Nichtsdestotrotz stellte sich schnell das Verlangen nach bekannten Gefilden ein. Die neue Software ohne Appdrawer erwies sich für mich als untauglich. Darüber half auch die mehr als gefällige Optik nicht hinweg. Mein sonst genutzter Go-Launcher als Alternative zur vorinstallierten Oberfläche musste herhalten. Erst jetzt konnte ich das Fab wirklich an meine Bedürfnisse anpassen. Ein Beweis dafür, dass Design nicht zwangsläufig über die Usability gestellt werden sollte.

Die Kombination aus Go-Launcher, anderer Prozessor und mehr Arbeitsspeicher brachten dann aber doch ans Licht, dass einfach alles flüssiger lief, als zuvor auf dem Getaway, mit dem ich sonst zufrieden war.

Wenden wir uns aber nun dem Display zu. Schon das Getaway war recht zufriedenstellend, was den Blickwinkel, etc. betraf. Das Ridge Fab setzt hier neue Maßstäbe. Das Display empfinde ich als schärfer, die Farben angenehmer und von der Größe wollen wir gar nicht erst reden. Wer schlechte Augen hat, wird das Plus an Größe wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Die Nutzung diverser Apps wird dadurch zum Vergnügen. Nicht jede App lässt sich in der Schriftgröße anpassen und so war es mit dem Getaway mitunter mehr Qual denn Genuss.
Der Einsatz von Gorilla Glas 3 gegenüber der Vorgängerversion macht sich positiv bemerkbar. Vom Gefühl her fühlt sich die Oberfläche deutlich seidiger und angenehmer an. Ebenfalls reduziert sich Anzahl der Fingerabdrücke sichtbar gegenüber Gorilla Glas 2. Aus ästhetischen Gründen ist das ein klarer Pluspunkt, der sich auch in der Anfälligkeit gegen Kratzer positiv bemerkbar machen sollte.

Eine Neuerung habe ich in der Nutzung festgestellt, die mich am Anfang etwas verwirrt hat. Als Gewohnheitstier suchte ich in den Schnelleinstellungen nach den Audioprofilen, denn beruflich bin ich auf den Lautlosmodus angewiesen. Die Audioprofile finden sich nicht wie gewohnt in den Schnelleinstellungen. Zu Beginn habe ich Abhilfe über die Lautstärkewippe geschaffen, was wenig praktikabel und umständlich ist. Durch Zufall kam ich dahinter, dass es einen Schnellzugriff auf die Audioprofle über einen etwa 1 Sekunden dauernden Druck auf den Powerknopf gibt. Mangels voriger Kenntnis sicher ein wenig tricky aber durchaus so praktikabel als eine Wischgeste auch dem Display.

Ein kleines Manko des Ridge Fab 4G möchte ich an dieser Stelle nicht verschweigen. Ich gehe davon aus, dass diese auch das normale Ridge 4G betreffen. Die Rede ist von der Rückseite. Nimmt man das Ridge Fab in die Hand bzw. die Hände, dann ist es durch die »Sandstein« Rückseite extrem griffig. Das Gefühl ist angenehm samtig und es gibt einem die nötige Sicherheit, dass es nicht aus den Händen gleitet. Aber was um alles in der Welt haben sich die Entwickler dabei gedacht, eine Oberfläche ins Rennen zu schicken, die extrem anfällig für Kratzer ist. Passt man nicht auf, wie man es vom Tisch nimmt oder bekommt die Rückseite Berührung mit einem Knopf an der Jackentasche, so kann förmlich zusehen, wie sich Kratzer um Kratzer in der Gehäuserückseite zeigt. Diese Lösung halte ich für wenig praktikabel und geneigten Ästheten wird es Schnappatmung bescheren. Abhilfe schafft hier auf Dauer nur ein zusätzliches Cover um die Rückseite zu schützen, was sich in der Regel negativ auf die sonst wirklich gelungene Optik auswirkt.

Lasst mich noch ein paar Worte zur Verbindungsqualität und der Gesprächsqualität loswerden. Mancherorts liest man, dass es sowohl beim normalen Ridge 4G als auch beim Ridge Fab 4G immer wieder zu Verbindungsabbrüchen im Mobilfunkbetrieb kommt. Ebenso von mangelhafter Qualität der WLAN-Verbindung. Dieses Phänomen ist bei mir in den Wochen der bisherigen Nutzung nie aufgetreten. Die Empfangsleistung auf WLAN und Mobilfunk empfinde ich als gestiegen gegenüber dem Getaway, kein Grund zur Klage. Der Ton aus dem Hörer kann man sicher nicht als HD-Sound bezeichnen, aber er geht für mich in Ordnung. Der Gesprächspartner klingt minimal blechern aber nicht störend, die Gegenseite empfängt das Gespräch hingegen klar und deutlich.

Fazit: Wiko ist mit dem Ridge Fab 4G ein guter Wurf mit kleinen Abstrichen gelungen. Mit dem Phablet ist man in diesem Preissegment mehr als gut bedient und ich kann hier eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Zu verbessern gibt es immer etwas. Meine Kritik bezüglich der Rückseite kann man schon als Mosern auf hohem Niveau betrachten denn es tut der eigentlichen Leistung keinen Abbruch und ist daher von untergeordneter Bedeutung. Preis/Leistung verdienen volle Punktzahl.

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